Die Bildungsagenda NS-Unrecht in der zweiten Förderphase
Aus mehr als 200 beeindruckenden Projektideen aus der non-formalen historisch-politischen Bildungsarbeit zum NS-Unrecht wurden rund 60 Skizzen von der Stiftung EVZ ausgewählt und die Träger:innen zur Antragstellung eingeladen. Bevor die neuen Projekte im Sommer 2026 beginnen, lohnt sich ein Blick auf die Ergebnisse der ersten Förderphase – sowie in unser Magazin der Bildungsagenda NS-Unrecht mit vielen Interviews, Reportagen und Einblicken in die Schwerpunktthemen des Förderprogramms. In diesem Newsletter stellen wir unter anderem drei Projekte vor, die aus verschiedenen Perspektiven einen Blick auf die „Wiedergutmachung“ von NS-Unrecht geworfen haben: in Form von Oral-History-Interviews mit Überlebenden, durch die Auswertung von Aktenbeständen oder in Form eines Games.
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TOURO UNIVERSITY BERLIN |
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| Was wurde wirklich wiedergutgemacht? |
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Für das Projekt Die Wirkung der Wiedergutmachung hat die Touro University Berlin in sieben Ländern - Deutschland, Belgien, Polen, Israel, Belarus, Georgien und Lettland - Überlebende der deutschen Verfolgung im Zweiten Weltkrieg interviewt. Die Gespräche legen einen Fokus auf die Erfahrungsgeschichte der sogenannten Wiedergutmachung, also den individuellen Zahlungen an diese Überlebenden, sowie ihre persönliche Deutung dieser finanziellen Leistungen. Die Interviews sind über die Plattform Oral-History.Digital der Freien Universität Berlin einsehbar und dauerhaft archiviert. Für eine Publikation haben Expert:innen diese Interviews untersucht und zeigen auf, wie frühere Verfolgte über die materiellen und symbolischen Leistungen denken und welche Erfahrungen sie gemacht haben. Angesichts von unendlichem Leid und Millionen Toten steht die Frage im Zentrum: Was wurde wirklich wiedergutgemacht? |
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| GEDENKSTÄTTE IN DER JVA WOLFENBÜTTEL |
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Serious Game zu NS-Unrecht: Vier Leben, vier Kämpfe |
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| Wie wirkten Verfolgung und fehlende Anerkennung nach 1945 weiter? Das zeigt das Serious Game „Gegen Mauern. Vier Leben, vier Kämpfe“ der Gedenkstätte in der JVA Wolfenbüttel. Entstanden im Bildungsagenda-Projekt 2x(Un)Recht? Partizipative App-Entwicklung zu den Folgen von Entschädigung für NS-Justizverurteilte, erzählt die gemeinsam mit Schüler:innen der Bildungseinrichtung „Arbeit und Leben Niedersachsen” entwickelte App die Geschichten von vier im ehemaligen NS-Strafgefängnis Wolfenbüttel inhaftierten oder hingerichteten Männern. Ihre historisch belegten Biografien werden im Stil einer interaktiven Graphic Novel vermittelt. Sie macht die Verfolgungserfahrungen sowie den Kampf um Entschädigung und Anerkennung systemvergleichend in der BRD und DDR nachvollziehbar. |
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INFORMIERT, COURAGIERT, ENGAGIERT! |
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| Projekt gegen Antisemitismus am Arbeitsplatz für Diversity Award nominiert! |
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Das Projekt Informiert, couragiert, engagiert! der Stiftung EVZ ist als Finalist für den DEI Corporate Excellence Award 2026 des F.A.Z. Instituts in der Kategorie „Diversity“ nominiert – eine Anerkennung für gelebte Vielfalt und inklusive Unternehmenskultur. Seit 2022 bietet die Stiftung EVZ verschiedene Bildungsformate zur Antisemitismusprävention für die Arbeitswelt an, darunter Blended Learnings, Lunch Talks und E-Learnings. Neu hinzugekommen ist ein Leitfaden zum Umgang mit Antisemitismus am Arbeitsplatz. Er vermittelt Wissen zu Erscheinungsformen und Funktionen von Antisemitismus und gibt praxisnahe Empfehlungen für Prävention und Intervention. Die Angebote richten sich insbesondere an Unternehmen, Verwaltungen und Kultureinrichtungen und lassen sich individuell in den Arbeitsalltag integrieren. So können Organisationen selbst aktiv werden und von gebündelter Expertise profitieren. |
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Zum Leitfaden  |
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| GEDENKSTÄTTE LAGER SANDBOSTEL |
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Tagung zu Kindern aus „verbotenen“ Beziehungen in Zeiten des Krieges |
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| Die Tagung der Gedenkstätte Lager Sandbostel und des Dokumentationszentrums NS-Zwangsarbeit vom 19. - 21. März widmet sich einem bislang wenig beachteten Kapitel des Zweiten Weltkriegs: den Kindern aus sogenannten „verbotenen“ und gesellschaftlich verdrängten Beziehungen zwischen Zwangsarbeiter:innen, Kriegsgefangenen, deutschen Besatzungssoldaten und Einheimischen. Anlass der Tagung ist die Präsentation der im Rahmen der Bildungsagenda entstandenen Wanderausstellung trotzdem da!, die bis zum 26. April 2026 im Dokumentationszentrum NS-Zwangsarbeit in Berlin zu sehen ist. Historiker:innen, Pädagog:innen, Nachkommen der Betroffenen und Akteur:innen der Erinnerungskultur diskutieren historische Einordnungen, Lebensgeschichten und transgenerationale Perspektiven. Ziel ist es, Forschungslücken sichtbar zu machen, Erinnerungskultur kritisch zu reflektieren und Impulse für neue Formen historisch-politischer Bildungsarbeit zu geben. |
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Bis zum 15. März anmelden  |
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| VERBAND DEUTSCHER SINTI UND ROMA, LANDESVERBAND BAYERN |
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Lernen aus Akten: Aufarbeitung der Entschädigungspraxis von Sinti:ze und Rom:nja |
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Der Verband Deutscher Sinti und Roma, Landesverband Bayern hat gemeinsam mit dem Lehrstuhl für Didaktik der Geschichte an der Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-Nürnberg rund 1.000 Entschädigungsakten von Sinti:ze und Rom:nja digitalisiert und ausgewählte Akten für die außerschulische Bildung aufbereitet. Besonders wichtig war dabei die Einbeziehung unterschiedlicher Perspektiven: Neben der Arbeit der Selbstorganisation im Interesse der Überlebenden wurde auch die Sicht der Entschädigungsbehörden und der staatlichen Archive einbezogen. Zu den Projektergebnissen zählen ein Sammelband, der die unterschiedlichen Phasen der Wiedergutmachung darstellt und anhand von Beispielen aus dem digitalisierten Aktenbestand erläutert, sowie didaktische Materialien für die außerschulische Bildungsarbeit. |
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Mehr über das Projekt erfahren  |
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Die Polygone der Gedenkanstoß-Ausstellung der Stiftung EVZ können ab jetzt von Projektpartner:innen und Trägern für eigene Ausstellungen, drinnen und draußen, ausgeliehen werden: Die Stahlstrukturen, die mit Kunststoffplatten individuell bedruckt werden können, lagern in den Räumlichkeiten der Stiftung in Berlin.
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| MemoRails - HALT! hier wird an NS-geschichte erinnert |
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Erinnern an NS-Verbrechen an Bahnhöfen in Deutschland |
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Nach intensiven Recherchen der 13 Projekte im MemoRails-Programm, das vom BKM gefördert wird, stehen die ersten Erinnerungsaktivitäten nun bevor. Den Auftakt bildet die Enthüllung des ersten Gedenkzeichens am 22. März in Rödermark, ein sichtbares Zeichen für die Opfer der NS-Verfolgung und die Bedeutung lokaler Erinnerung. Das Projekt erinnert an die jüdische Familie Hecht aus Oder-Roden, insbesondere an das tragische Schicksal der 11-jährigen Rosel Hecht. Ein weiteres Projekt von AKuBiZ e. V. erforscht und erinnert an die Zwangsarbeit in der Sächsischen Schweiz. Im November 1944 wurden über 900 KZ-Häftlinge aus dem KZ-Außenlager Böhlen nach Königstein deportiert. Das Projekt macht den Bahnhof Königstein als Ort der Verbrechen des nationalsozialistischen Systems für die Bevölkerung sichtbar. Im März und April gibt es in Königsstein Erzählcafés und das Gedenkzeichen wird am 8. Mai enthüllt. Auch die Website ist jetzt online: Sie bietet einen umfassenden Überblick über alle 13 Orte und Projekte und macht die Arbeit der Träger:innen zugänglich. Interessierte können sich informieren, Hintergründe entdecken und die Geschichte der NS-Deportationen nachvollziehen. Auf der Website wie auf den Social-Media-Kanälen der Stiftung EVZ wird in den kommenden Monaten weiter zu den Ergebnissen aus den Forschungen und den Erinnerungsaktivitäten vor Ort berichtet. |
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Zur Webseite  |
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Der jährliche Romnja* Power Month ist wieder da!
Vom 8. März bis zum 11. April setzt wieder der Romnja* Power Month ein einzigartiges Zeichen für Sichtbarkeit und Solidarität, gegen Antiziganismus. Rund um den Internationalen Frauentag am 8. März und den Internationalen Tag der Rom:nja am 8. April macht die Initiative der Selbstorganisation RomaniPhen e. V. insbesondere feministische und antirassistische Perspektiven von Rom:nja und Sinti:ze hörbar und erlebbar. Die Reihe vereint politische Aktionen, Kunst, Diskussion und gemeinsames Lernen.
Am 9. März beteiligt sich RomaniPhen am globalen feministischen Streik „ENOUGH!“ mit Aktionen am Brandenburger Tor gegen patriarchale Gewalt und strukturelle Ungleichheit. Am 18. März lädt die Performance „QUEER ROM*NJA – Fragmente des Selbst“ zu einem Abend mit Drag, Poesie und Musik ein. Am 20. März führt eine Ausstellung mit anschließendem Panel im FHXB Friedrichshain-Kreuzberg Museum „Widerstand und Würde“ in die verschiedenen Kämpfe von Rom:nja und Sinti:ze seit 1945 bis heute ein. Am 27. März bietet ein Empowerment-Workshop einen geschützten Raum für die Community zum Austausch über Lebensrealitäten und Strategien gegen Alltagsrassismus. Zudem findet am 11. April die Premiere des Dokumentarfilms „Gemeinsam sind wir stärker“, gefördert von der Stiftung EVZ, statt, der sich mit Geschichte und Gegenwart von Rom:nja-Aktivismus in Deutschland auseinandersetzt.
Diese vielfältigen Veranstaltungen verbinden Kultur und Aktivismus und knüpfen unmittelbar an die Anliegen des 8. März an: gleiche Rechte, Schutz vor Diskriminierung und solidarische Bündnisse.
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#NOTIMETOFORGET – Fotowettbewerb zum 25-jährigen Bestehen der Stiftung EVZ
Globale Krisen, Kriege und digitale Transformationen verändern die historisch-politische Bildungsarbeit und die Erinnerungskultur an das NS-Unrecht. Gleichzeitig zeigen Debatten um den Einsatz von Künstlicher Intelligenz, wie dringlich ein verantwortungsvoller Umgang mit Bildern und Quellen ist: Mit dem Fotowettbewerb #NOTIMETOFORGET ruft die Stiftung EVZ dazu auf, fotografisch festzuhalten, wie historisch-politische Bildungsarbeit heute umgesetzt wird. Gesucht sind Bilder, die Entwicklungen, Herausforderungen und bewährte Standards vor Ort, in Begegnungen oder im digitalen Raum sichtbar machen. Teilnehmen können Projekte und Einzelpersonen ab 18 Jahren über Instagram oder über ein Online-Formular auf der Webseite der Stiftung EVZ. Die besten Fotos werden mit einem Preisgeld von bis zu 2.000 Euro ausgezeichnet und können in unseren nächsten Newsletter-Ausgaben in dieser Rubrik als „Foto des Monats“ erscheinen. |
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Vom 8. März bis 5. April Fotos einreichen  |
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| JUBILÄUMS-PODCAST |
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| 4. Folge „Wert & Würde“: Ein Stück Demokratie |
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Die Gründung der Stiftung EVZ war ein Kompromiss, der rückblickend oft als überfällig, aber unvollständig gilt. Wer wurde vom Stiftungsgesetz ausgeschlossen und wie erging es den Menschen? Welchen Auftrag hat die Stiftung heute? Der Host Daniel Christensen beleuchtet die Nachwirkungen der Verhandlungen. Stimmen aus der Stiftung, der Wirtschaft und von Betroffenen zeigen, wie die Auszahlungsprogramme unterschiedliche Opfergruppen erreichten – und wer außen vor blieb. Katrin Kowark gibt Einblicke in die heutige Arbeit der Stiftung und Förderprojekte, die sich mit nationalsozialistischem Unrecht auseinandersetzen. |
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Jetzt hören  |
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| ukraine verstehen |
Zwölf Jahre Krieg, nicht vier |
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Der russische Angriff auf die Ukraine begann nicht erst 2022, sondern schon im Februar 2014 mit der Besetzung der Krim und verdeckten militärischen Einsätzen im Osten des Landes. Zwischen 2014 und 2021 forderte Russlands Krieg bereits über 15.000 Todesopfer und zwang mehr als zwei Millionen Menschen zur Flucht innerhalb der Ukraine. Nataliya Pryhornytska betont, dass diese historische und völkerrechtliche Genauigkeit unabdingbar ist, um das Leid der Betroffenen sichtbar zu machen und politische Verantwortung zu übernehmen. |
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Das Essay lesen  |
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| ARD Mediathek |
| Holocaust: Polemik statt Gedenken |
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2024 wurden insgesamt 352 politisch motivierte Straftaten gegen Gedenkstätten registriert, 207 davon rechts motiviert. Die ARD‑Reportage beleuchtet, wie Erinnerungsorte in Deutschland zunehmend Ziel von Schmierereien, Nazi-Parolen und Angriffen werden – besonders verstärkt seit dem 7. Oktober. Panorama spricht mit über 130 Gedenkstätten, um zu zeigen, wie rechte Ideologien das Gedenken erschweren und welche Herausforderungen für die Bewahrung der Erinnerungskultur entstehen. |
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Die Reportage schauen  |
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Leonid A. Klimov von dekoder |
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Das neue Bildungsagenda-Projekt von dekoder heißt „Stalino – der Donbas unter deutscher Besatzung“: Woher kommt der Name „Stalino“? Stalino – so hieß seit den 1920er Jahren die Stadt, die wir heute als Donezk kennen, Donekz im Donbas. 1869 als Arbeitersiedlung gegründet, trug sie ursprünglich den Namen Jusiwka (russ. Jusowka), benannt nach dem walisischen Unternehmer John James Hughes, der hier ein Metallwerk und mehrere Bergwerke aufbaute. Wie auch andere Orte in der Region entwickelte sich das künftige Donezk sehr schnell – die Entwicklung war jedoch selbst für den Donbas außergewöhnlich: Innerhalb von nur 70 Jahren wuchs die Stadt von 200 auf knapp 500.000 Einwohner:innen. In dieser Zeit erhielt die Stadt auch den Namen des sowjetischen Diktators Josef Stalin. Erst 1961 wurde Stalino in Donezk umbenannt. |
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| NEWSLETTER 04/2026 |
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| Unsere nächste Ausgabe erscheint Anfang April! |
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| In der nächsten Ausgabe berichten wir wieder über Updates aus den EVZ-Projekten, Termine, sowie anstehende Förderausschreibungen. |
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Alle Ausgaben auf einen Blick  |
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Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft Friedrichstraße 200 10117 Berlin, Germany T +49 (30) 25 92 97-0 F +49 (30) 25 92 97-11 Website
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Verantwortlich i. s. d. P.: Dr. Andrea Despot und Jakob Meyer
Redaktion: Sophie Ziegler, Katrin Kowark, Jana Bültge, Roos Poncelet
Bildnachweise: Thomas Dashuber, Johanna Becker, Oren Dai, RomaniPhen e. V., Gedenkstätte Wolfenbüttel, Johanna Maria Dietz
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| © Stiftung Erinnerung, Verantwortung und Zukunft, 2026 |
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